Wind- und Solarstrom lagen 2025 erstmals vor der Strommenge, die alle fossilen Energieträger zusammen erzeugt haben – ein Meilenstein für die europäische Energiewende. Eine neuer Report zeigt, welche Schlüsselrolle die Photovoltaik hat und wie stark der Solarstrom-Markt in der EU wächst.
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PV-Meilensteine schön und gut, aber worüber sprechen wir hier? Der global agierende Think Tank Ember versteht sich als unabhängige Denkfabrik, die sich mit dem Stromsektor, erneuerbaren Energien und der Dekarbonisierung befasst. Ember analysiert Energiedaten aus aller Welt und veröffentlicht regelmäßig Berichte dazu. Um die neueste Ausgabe ihres jährlichen European Electricity Reviews soll es nun gehen, denn der ist am 22. Januar 2026 erschienen.
Photovoltaik bricht Rekorde: Plus 20 Prozent in einem Jahr
Die Solarstromerzeugung in der EU erreichte 2025 mit 369 Terrawattstunden (TWh) einen neuen Höchstwert und legte gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent zu. Dies entspricht der vierten jährlichen Steigerung im zweistelligen Prozentbereich in Folge; im Vergleich zum Jahr 2020 (145 TWh) hat sich dieser Ertrag mehr als verdoppelt.
Wichtigste Kennzahlen zur Solarenergie 2025:
- Anteil am EU-Strommix: 13 Prozent
- Durchschnittliches jährliches Wachstum (in den letzten 5 Jahren): 21 Prozent
- Kapazitätszuwachs: 65,1 GW neu installierte Leistung 2025
Solar überholt Wind im Juni 2025
Ein weiterer PV-Meilenstein wurde im Juni 2025 erreicht: Zum ersten Mal war Photovoltaik in einem ganzen Monat die größte Stromquelle der Europäischen Union. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung der Solarenergie im europäischen Energiesystem.
Spitzenreiter bei den Solaranteilen am jeweiligen nationalen Strommix sind übrigens Ungarn, Zypern und Griechenland, gefolgt von Spanien und der Niederlande; Deutschland liegt in dieser Kategorie auf einem ordentlichen achten Platz. Bemerkenswert ist auch: Sieben der zehn Länder mit den höchsten Solaranteilen weltweit befinden sich in der EU.
Geht es um den PV-Spitzenreiter in absoluten Zahlen – also unabhängig vom lokalen Strommix oder der Bevölkerungsgröße –, dann ist Deutschland die klare Nummer 1 in der EU. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen Spanien, Italien, Frankreich und die Niederlande. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam unlängst der europäischen PV-Branchenverband – PV Insider berichtete.

Wetteranomalien kompensiert: PV gleicht Rückgänge aus
Die besonders sonnigen Bedingungen in Nordeuropa in den ersten vier Monaten 2025 führten zu einer durchschnittlich um 6 Prozent höheren Einstrahlung als im Fünfjahresdurchschnitt. Dies half, Rückgänge bei Wind (minus 2 Prozent) und Wasserkraft (minus 12 Prozent) auszugleichen, die durch unterdurchschnittliche Niederschläge und niedrigere Windgeschwindigkeiten verursacht wurden.
Besonders profitiert haben Belgien und die Niederlande – hier gab es eine wetterbedingte Steigerung der Solarproduktion um 26 bzw. 21 Prozent; auch in Deutschland wurde ein Plus von 10 Prozent verzeichnet.
Erneuerbare Energien gesamt bei knapp 50 Prozent
Generell blieb der Anteil erneuerbarer Energien mit 47,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2024: 47,9 Prozent) nahezu stabil. Wind und Solar zusammen erreichten 30,1 Prozent der EU-Stromerzeugung (841 TWh) und übertrafen damit erstmals den Anteil fossiler Energieträger (29 Prozent: 809 TWh). In 14 der 27 EU-Mitgliedstaaten erzeugten Wind und Solar 2025 mehr Strom als alle fossilen Quellen zusammen; neu hinzugekommen sind in dieser Liste die Niederlande und Kroatien.
Der Anteil der Kernenergie blieb laut Ember-Daten ebenfalls nahezu konstant und verharrt bei ungefähr 23 Prozent. Das ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Zahlen von 2015, wo noch knapp 30 Prozent der europäischen Energie von Atommeilern stammte.

Gasverbrauch steigt, trotz Erneuerbaren-Rekord
Die Stromerzeugung aus Gas in der EU stieg 2025 um 8 Prozent gegenüber 2024 – auf jetzt 34 TWh –, blieb damit aber 18 Prozent unter dem Vorkrisenmaximum von 2019. In Kombination mit gestiegenen Gaspreisen von +5,6 Prozent führte dies zu einer Gasimportrechnung von 32 Milliarden Euro für den Stromsektor; das sind 16 Prozent mehr als 2024.
Die Preisentwicklung zeigt laut den Autoren des Reports ein klares Muster: Während der Stunden mit hohem Gaseinsatz stiegen die Großhandelspreise in der EU 2025 durchschnittlich um 11 Prozent gegenüber 2024, in den Stunden untertags (7 bis 17 Uhr) betrug der Preisanstieg hingegen nur 3 Prozent. In Deutschland beispielsweise erhöhten sich die Strompreise während gaslastiger Perioden um 19 Prozent, während sie bei hoher Solarproduktion nur um 8 Prozent zulegten.
Kohle steuert (langsam) dem Ende entgegen
Die Kohleverstromung fiel 2025 auf ein neues historisches Tief von 9,2 Prozent (257 TWh) – ein bemerkenswerter Rückgang gegenüber 24,6 Prozent (705 TWh) im Vergleich zu vor zehn Jahren. In 19 EU-Ländern liegt der Kohleanteil mittlerweile unter 5 Prozent.
Irland stellte im Juni 2025 die Kohleverstromung ein, Finnland beendete sie de facto im April (und damit lange vor der beschlossenen Frist 2029). Der prozentual meiste Kohlestrom fließt in osteuropäische Stromnetze, zum Beispiel in Tschechien, Bulgarien oder Polen. Zusammen mit Deutschland zeichnet unser östlicher Nachbar Polen für 74 Prozent des Kohlestroms in der EU 2025 verantwortlich; dort beträgt der Kohleanteil im Strommix fast exakt 50 Prozent.
Wer noch mehr Infos möchte: Die offizielle Ember-Pressemeldung findest du hier, den kompletten Report kannst du an dieser Stelle in PDF-Form nachlesen.





