Lange Zeit war eigener Solarstrom Hausbesitzern vorenthalten. Doch Mieterstrom ermöglicht es nun auch Mietern in Mehrfamilienhäusern, von sauberer und günstiger Energie zu profitieren. Wir zeigen dir, wie das funktioniert.
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Die Energiewende findet millionenfach auf den Dächern von Einfamilienhäusern statt, während Mieter lange Zeit außen vor blieben. Seit kurzem eröffnet ihnen das Konzept Balkonkraftwerk neue Optionen, aber wenn sie dafür geeigneten Platz haben oder – wie es am Anfang häufig vorkam – von ihrem Vermieter ausgebremst wurde, konnten sie keine eigene Solaranlage installieren.
Das Konzept „Mieterstrom“ löst genau dieses Problem, indem es den Solarstrom vom Dach des Mehrfamilienhauses direkt in die Steckdosen der Mietwohnungen bringt – und das unkompliziert und zu einem fairen Preis.
Was ist Mieterstrom?
Mieterstrom bezeichnet ein Modell, bei dem ein Vermieter eines Mehrfamilienhauses Solarstrom erzeugt und ihn direkt an die Bewohner des Hauses verkauft. Vom Dach aus fließt er in die Wohnungen, ohne das öffentliche Stromnetz zu nutzen. Dadurch kann lokaler Strom vor Ort verbraucht werden und bietet den Mietern und den Vermietern einige Vorteile.
Erst wenn die PV-Anlage nicht genug Energie liefert, etwa nachts oder an trüben Wintertagen, springt das öffentliche Netz ein und sichert die Versorgung. Produziert die Anlage hingegen mehr Strom, als im Haus verbraucht wird, speist der Vermieter den Überschuss ins Netz ein und erhält dafür eine Vergütung.
Was haben Vermieter vom Mieterstrom?
Für Vermieter kann es sich lohnen, eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach zu bauen, auch wenn sie selbst nicht in der Immobilie wohnen. Die Solaranlage steigert nämlich den Wert des Hauses. Das belegt unter anderem eine Studie von ImmoScout24. Die Immobilienplattform untersuchte alle Kaufinserate für Häuser aus dem zweiten Quartal 2024 und dem zweiten Quartal 2021. Dabei kam heraus, dass Häuser mit Dach-PV bis zu 20 Prozent höhere Verkaufspreise erzielten als Häuser ohne.
Darüber hinaus profitiert der Vermieter von den Einnahmen aus dem Stromverkauf an die Mieter und der Einspeisevergütung für überschüssigen Strom. Um das Modell wirtschaftlich noch reizvoller zu machen, unterstützt der Staat den Betreiber mit dem sogenannten Mieterstromzuschlag. Dieser finanzielle Bonus macht die Investition noch rentabler.
Was haben Mieter vom Mieterstrom?
Für Mieter ist der größte Vorteil der Preis: Mieterstrom kostet in der Regel weniger als der Strom aus dem öffentlichen Netz und ist preisstabiler. Schließlich wird ein Großteil der Energie direkt vor Ort produziert und ist somit von den Schwankungen der Energiemärkte entkoppelt. Zudem fließt er nicht durch das öffentliche Netz, weswegen keine Netzentgelte fällig werden.
Allerdings kostet Mieterstrom nicht automatisch weniger als Strom vom Anbieter. Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) schreibt nämlich nur vor, dass der Mieterstromtarif höchstens 90 Prozent des örtlichen Grundversorgungstarifs betragen darf. Grundversorgungstarife können aktuell je nach Region jedoch bei circa 40 Cent/kWh liegen. 90 Prozent davon wären 36 Cent, die der Vermieter kassieren dürfte. Das würde über dem aktuellen deutschen Durchschnittspreis von 35 Cent/kWh für Strombestandskunden liegen. Neukunden zahlen derzeit sogar nur 28 Cent/kWh (Stand: September 2025; Quelle: Verivox). Du solltest daher den Preis deines Vermieters unbedingt mit Marktpreisen vergleichen.
Nach unten ist aber keine Grenze für Mieterstrom gesetzt, sodass auch Preise von 25 Cent/kWh und weniger möglich sind. Es kommt hierbei auf die Kalkulation und die Intention deines Vermieters an.
Muss man einen Mieterstromvertrag abschließen?
Auch wenn dein Vermieter Mieterstrom anbietet, so bist du nicht verpflichtet, diesen zu beziehen. Das Mietverhältnis und der Stromliefervertrag sind zwei völlig separate Vereinbarungen. Du behältst jederzeit das Recht, deinen Stromanbieter frei zu wählen und kannst auch bei einem Umzug den Mieterstromvertrag einfach kündigen. Die Teilnahme ist und bleibt freiwillig.
Da Mieterstrom oft aber nicht nur günstig, sondern ökologisch sinnvoll ist, solltest du dir aber immer ein Angebot von deinem Vermieter geben lassen. Das kannst du dann mit anderen vergleichen. Zumeist benötigst du sowieso noch einen regulären Stromanbieter für den Reststrom. Denn die PV-Anlage wird nur einen Teil deines Verbrauchs decken können. In einigen Fällen kann sich aber auch darum der Vermieter kümmern.
Zudem kannst du das Modell Mieterstrom auch noch mit einem eigenen Balkonkraftwerk kombinieren – so kannst du deine Kosten zusätzlich senken.
Welche Mieterstrommodelle gibt es?
In der Praxis haben sich verschiedene Modelle etabliert, um Mieterstromprojekte umzusetzen. Jedes Modell verteilt die Aufgaben und Verantwortlichkeiten anders:
- Das Vermieter-Modell: Der Vermieter investiert selbst in die Solaranlage, betreibt sie und veräußert den Strom an seine Mieter. Er übernimmt alle Aufgaben, von der Planung über die Installation bis zur Abrechnung. Dieses Modell gibt dem Vermieter die volle Kontrolle, erfordert aber auch das nötige Know-how.
- Das Contracting-Modell: Ein externer Energiedienstleister, ein sogenannter Contractor, pachtet die Dachfläche vom Vermieter. Dieser Dienstleister plant, finanziert, installiert und betreibt die Anlage auf eigenes Risiko. Er verkauft den Strom an die Mieter und kümmert sich um alle administrativen Aufgaben. Der Vermieter erhält eine Pacht für sein Dach und hat keinen weiteren Aufwand.
- Das Genossenschafts-Modell: Mieter, Eigentümer oder Nachbarn gründen eine Energiegenossenschaft. Diese Gemeinschaft investiert in die PV-Anlage und betreibt sie. Die Mitglieder profitieren direkt vom erzeugten Strom. Dieses Modell fördert die Gemeinschaft und demokratisiert die Energieversorgung.
Was ist der Mieterstromzuschlag?
Der Mieterstromzuschlag ist eine staatliche Förderung, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert ist. Anlagenbetreiber, also zum Beispiel der Vermieter oder ein Contractor, erhalten diesen Zuschlag für jede Kilowattstunde Solarstrom, die sie an die Mieter im Gebäude liefern. Diese zusätzliche Einnahme soll die Kosten decken und sicherstellen, dass sich das Mieterstrommodell wirtschaftlich lohnt. Die Höhe des Zuschlags hängt von der Größe der Photovoltaik-Anlage ab und sinkt mit zunehmender Anlagengröße.
Leistung | Zuschlag |
10 kW | 2,56 Cent/kWh |
40 kW | 2,38 Cent/kWh |
100 kW | 1,6 Cent/kWh |
Stromzählung: Wie werden Solar- und Netzstrom abgerechnet?
Ein Mieter einer Wohnung bezieht nicht nur Strom vom Dach, sondern muss den Reststrom zusätzlich bei einem regulären Stromanbieter einkaufen. Doch wie lässt sich der Strom auseinanderhalten und korrekt abrechnen? Das heute gängigste und einfachste Verfahren ist das Summenzählermodell.
Dabei werden zwei Hauptzähler installiert: Ein Erzeugungszähler misst den gesamten von der Dach-PV produzierten Strom. Ein zentraler Zweirichtungszähler am Netzanschlusspunkt misst dann, wie viel Strom insgesamt aus dem Netz bezogen oder ins Netz eingespeist wird.
Jede Wohnung behält ihren eigenen Stromzähler, der den individuellen Verbrauch erfasst. Eine intelligente Steuerungseinheit berechnet dann für jede einzelne Wohnung, wie hoch der Anteil des Solarstroms und wie hoch der Anteil des Netzstroms ist. Dieses System funktioniert in der Regel gut und sorgt so für eine faire und transparente Abrechnung für alle Parteien.

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Lohnt sich Mieterstrom? Eine Beispielrechnung
Für einen Vermieter kann es zunächst abschreckend wirken, eine Solaranlage für seine Mieter zu bauen. Schließlich erfordert sie eine größere Investition zu Beginn. Dennoch lohnt es sich monetär, wie folgende Beispielrechnung zeigt.
Zunächst müssen wir die Kosten ermitteln: Als Beispiel nehmen wir eine PV-Installation mit 40 kWp Leistung. Pro Kilowattpeak zahlt man etwa 1.500 Euro inkl. Montage – das System würde im Gesamten also 60.000 Euro kosten. Hinzu kommen jährliche Wartungskosten von etwa 1,5 Prozent des Gesamtpreises, dieser Posten würde sich somit auf 900 Euro im Jahr belaufen.
Dem gegenüber stellen wir die Einnahmen durch die Solarproduktion: Im Jahr kommen bei der Größe etwa 40.000 kWh an Solarstrom zusammen. Wenn wir davon ausgehen, dass in dem Haus zehn Mietparteien mit einem Durchschnittsverbrauch von 2.500 kWh pro Jahr leben, benötigen wir 25.000 kWh von unserem Solarstrom. Allerdings können wir den Bedarf aller Wohnungen aufgrund des Wetters und der Jahreszeiten nicht zu 100 Prozent mit PV-Strom decken. Mit einem Stromspeicher kann man realitisch auf etwa 70 Prozent kommen. Wir können in unserem Beispiel also 17.500 kWh an unsere Mieter verkaufen. Die restliche Menge an PV Strom – im Beispiel 22.500 kWh – speisen wir ein. Für die Einspeisung erhalten wir eine feste Vergütung von derzeit 6,8 Cent/kWh (Quelle: Bundesnetzagentur).
Von den Mietern verlangen wir 25 Cent/kWh. Damit sind wir spürbar günstiger als Neukundenverträge von Stromanbietern, die bei etwa 28 Cent/kWh liegen (Stand: September 2025; Quelle: Verivox). Durch den niedrigen Preis wird unser Angebot attraktiv für die Mieter – schließlich müssten sie den Strom ja nicht nehmen. Bei 25 Cent ist es aber ziemlich wahrscheinlich. Zusätzlich bekommen wir einen Mieterstromzuschlag von 2,38 Cent für jede der 17.500 Kilowattstunden, die wir an die Mieter ausliefern.
Dadurch kommen wir zu folgendem Ergebnis:
Einnahmen:
- Einspeisevergütung: 1.530 Euro/Jahr
- Stromverkauf Mieter: 4.375 Euro/Jahr
- Mieterstromzuschlag: 416,50 Euro/Jahr
Ausgaben:
- Wartungskosten: 900 Euro/Jahr
Nach Abzug der Ausgaben (900 Euro) von den Einnahmen (6.321,50 Euro) bleibt ein Gewinn von 5.421,50 Euro pro Jahr. Damit hätten sich die Kosten von circa 60 Euro nach rund 11 Jahren bereits amortisiert. Selbst wenn zur der Anfangsinvestition noch Kosten für einen Speicher von maximal 20.000 Euro dazukämen, wäre das gesamte Projekt dennoch in unter 15 Jahren abbezahlt. Da Solaranlagen aber bis zu 30 Jahre und länger laufen (lediglich die Speicher und Wechselrichter müssen nach etwa 15 Jahren erneuert werden), ist das unterm eine lohnende Investition. Keine, mit der Vermieterinnen und Vermieter im Nu reich werden, die Überschüsse können aber dazu dienen, einen substantiellen Beitrag zum Erhalt der kostbaren Immobilie zu leisen.
Fazit: Durch Mieterstrom gewinnen alle
Mieterstrom ist ein intelligentes Konzept, das eine klassische Win-Win-Situation schafft: Als Mieter erhältst du Zugang zu sauberem Solarstrom, sparst Geld und leistest einen wertvollen Beitrag zur Energiewende direkt in deiner Nachbarschaft.
Als Vermieter erschließt du eine neue Einnahmequelle, wertest deine Immobilie nachhaltig auf und bietest deinen Mietern einen echten Mehrwert. Die staatliche Förderung und steuerliche Erleichterungen machen das Engagement sicherer und rentabler.
Mieterstrom ist damit mehr als nur eines von vielen Stromliefermodellen – es demokratisiert die Solarenergie und bringt sie dorthin, wo ein sehr großer Teil der Bevölkerung lebt: in die Mehrfamilienhäuser.






