Balkonkraftwerke können dich – im Gegensatz zu einer großen Solaranlage – nicht autark machen, doch sie können mindestens deine Grundlast decken. Was das ist und ob die Stecker-Solaranlagen es wirklich schaffen, beleuchten wir in diesem Ratgeber.
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Balkonkraftwerke werden in der Werbung gerne überhöht dargestellt: Teilweise sprechen Hersteller und Händler davon, dich endlich unabhängig von Stromanbietern zu machen. Doch auch wenn du mit einer Mini-Solaranlagen einen nennenswerten Teil deines Energiebedarfs selbst produzieren kannst, wirst du niemals die versprochenen Autarkiegrade erreichen. Die Gründe dafür sind unter anderem die schwankenden Erträge durch das Wetter und die Jahreszeiten, die viel zu kleinen Produktionskapazitäten der Anlage und die zu hohen Verbräuche einiger Haushaltsgeräte.
Dabei war immer klar, dass Balkonkraftwerke ihre Besitzerinnen und Besitzer niemals unabhängig von Stromversorgern machen können. Sie haben eine ganz andere Aufgabe: Sie sollen in erster Linia die Grundlast eines Haushalts abdecken. Das ist ihr größter Hebel, um die Kostenersparnis zu maximieren.
Doch was genau versteht man unter Grundlast? Darauf gehen wir im Folgenden ein – PV Insider zeigt dir, wie du sie messen kannst und ob ein Balkonkraftwerk in der Lage ist, sie zu decken. Denn auch da gibt es häufig falsche Vorstellungen…
Was ist die Grundlast eines Haushalts?
Auch wenn gerade kein Fernseher läuft, du nicht Laptop bzw. Handy lädst oder andere elektrische Geräte aktiv nutzt, verbrauchst du im Haushalt kontinuierlich Strom. Das nennt sich Grundlast. Sie beschreibt den Stromverbrauch, den dauerhaft im Hintergrund laufende Geräte verursachen. Typische Verbraucher sind:
- Kühlschrank
- Router
- Geräte auf Stand-by wie Fernseher
- Smart-Home-Hubs
- Elektronische Uhren (z.B. am Herd oder auf dem Nachttisch)
- Wasserboiler für Warmwasserspeicher
Wie hoch die Grundlast ist, hängt von der Anzahl und Art deiner elektrischen Geräte ab. In einem durchschnittlichen deutschen Haushalt liegt sie in der Regel zwischen 100 und 300 Watt. Je sparsamer deine Geräte sind, desto geringer ist die Grundlast. Allerdings gibt es Unterschiede, etwa bei Haushalten mit mehreren Personen, zusätzlicher Technik oder besonders energieintensiven Geräten.

Wie finde ich die Grundlast in meinem Haushalt heraus?
Um herauszufinden, ob ein Balkonkraftwerk deine Grundlast decken kann, musst du erst einmal messen, wie hoch die Grundlast in deinen vier Wänden. Dafür gibt es folgende Methoden:
- Strommessgeräte: Mit ihnen kannst du den Stromverbrauch deiner Geräte im Haushalt messen. Einfach zwischen Stecker und Steckdose anschließen und schon zeigen sie den Verbrauch an. Da du jeden Verbraucher aber einzeln messen musst, dauert das eine Weile. Hinterher rechnest du alle Ergebnisse zusammen und hast deine Grundlast; einfache Messgeräte bekommst du bereits ab 10 Euro.
- Stromzähler ablesen: Der Stromzähler erfasst wirklich alle Verbraucher und du benötigst kein extra Messgerät dafür. Lies den Zählerstand ab, bevor du schlafen gehst, und notiere ihn. Wenn du morgens aufstehst, wiederholst du den Vorgang, noch bevor du irgendein Gerät wie die Kaffeemaschine einschaltest. Teile dann die verbrauchten Kilowattstunden durch die Zeit zwischen den Messungen und du bekommst eine ziemlich genaue Vorstellung von deiner Gundlast. Zum Beispiel: Wenn du 8 Stunden geschlafen hast und dabei 1,6 Kilowattstunden (1.600 Wh) verbraucht wurden, dann hat dein Haushalt eine Grundlast von 200 Watt. Die Methode ist nicht extrem präzise, du erhältst aber einen guten Näherungswert.
- Smart Meter: Falls du bereits einen Smart Meter als Stromzähler hast, gibt es dazu auch eine passende App. Dort kannst du die Grundlast anhand der Verbrauchskurve erkennen.
Kann ein Balkonkraftwerk die Grundlast decken?
Jetzt wo du deine Grundlast ermittelt hast, kommen wir zur entscheidenden Frage: Kann ein Balkonkraftwerk deine Grundlast stemmen? Für unsere Rechnung nehmen wir an, dass sie 200 Watt beträgt. Jetzt müssen wir herausfinden, wie viel Strom überhaupt ein Balkonkraftwerk produziert.
Dabei kommt es auf die Anzahl deiner Solarmodule und ein bisschen auf deren Ausrichtung an. Laut dem Solarpaket 1 (der gesetzlichen Regelung für Balkonkraftwerke) dürfen Stecker-Solaranlagen eine Modulleistung von maximal 2.000 Wattpeak besitzen – das sind in der Praxis etwa vier Module. Zwar dürfen Balkonkraftwerke nur mit maximal 800 Watt in die Steckdose einspeisen. Die höhere Modulleistung sorgt aber dafür, dass auch unter schlechteren Bedingungen die Einspeisegrenze, so gut es geht, gehalten wird.
Als Rechenbeispiel nehmen wir ein Balkonkraftwerk mit zwei Solarmodulen mit einer Gesamtleistung von 900 bis 1.000 Wattpeak – das aktuelle Standard-Setup. Diese richten wir im 30-Grad-Winkel nach Süden aus. Das ist die beste Ausrichtung, die du haben kannst – die erreichst du aber nur im Garten, auf der Terrasse oder dem Flachdach.

Mit diesem Balkonkraftwerk können wir etwa 900 kWh pro Jahr produzieren. Das Problem dabei: Die Produktion läuft nicht gleichmäßig ab. Im Sommer kommt der Großteil des Ertrags zustande und die Solarmodule erreichen ihre Volllast auch nur an wenigen Stunden am Tag.
Um die Grundlast zu decken, benötigen wir aber ununterbrochen Strom – auch nachts. Dass die Grundlast und die Produktion nicht deckungsgleich sind, kann man gut an obigem Diagramm erkennen. Die Daten sind exemplarisch, der Verlauf kann je nach Wetter und Ausrichtung der Solarmodule variieren.
Das Balkonkraftwerk kann die Grundlast nicht (immer) decken
Ab 6 Uhr startet etwa die Stromproduktion, kann aber nur teilweise die Grundlast auffangen. Erst gegen 7 Uhr übersteigt die Produktion in unserem Beispiel den Bedarf und kann sie bis etwa 18 Uhr bedienen, bevor die Leistung wieder unter die Grundlast sinkt. Im Gesamten kann das Balkonkraftwerk etwa 2,4 kWh pro Tag decken. Der tägliche Verbrauch durch die Grundlast liegt aber bei 4,8 kWh. Das heißt: 50 Prozent müssten wir noch vom Stromanbieter hinzukaufen.
Und es kommt noch schlimmer: Das Diagramm zeigt einen typischen Sommertag. Im Winter stehen uns aber deutlich weniger Sonnenstunden zur Verfügung und die Stromproduktion nimmt drastisch ab. Hier spielen viele Variablen rein, aber summa summarum können wir mit einem Balkonkraftwerk ohne Speicher nur 30 Prozent der jährlichen Grundlast abdecken.
Warum sich ein Balkonkraftwerk dennoch lohnt
Das klingt nach einem ernüchternden Ergebnis. Dennoch lohnt sich ein Balkonkraftwerk, denn jede Kilowattstunde an selbst verbrauchter Solarenergie spart dir bares Geld. Auf das ganze Jahr gesehen, kann dein Balkonkraftwerk etwa 1.200 bis 1.400 Stunden die Grundlast decken. Das wären 240 bis 280 kWh bzw. 72 bis 84 Euro, die du an Stromkosten sparst (bei einem Strompreis von 30 Cent/kWh).
Da ein Balkonkraftwerk wie das Kleines Kraftwerk Duo mit Halterung nur circa 400 Euro kostet, hätte es sich spätestens nach sechs Jahren amortisiert. Danach läuft es aber noch mindestens 24 Jahre weiter und spart jedes Jahr von neuem Stromkosten. Das bedeutet: Allein durch die Teildeckung der Grundlast machst du bereits ein dickes Plus mit der Anschaffung eines Balkonkraftwerks.
In der Praxis wird die Amortisationszeit aber noch kürzer ausfallen, da du am Tag teilweise deutlich mehr Solarstrom zur Verfügung hättest, den du für andere Verbraucher wie den Geschirrspüler, die Waschmaschine oder den Laptop nutzen kannst. Oben hatten wir bereits erwähnt, dass ein aktuelles Zwei-Modul-Balkonkraftwerk rund 900 kWh im Jahr produziert. Inklusive der Grundlast kannst du mit etwa 50 Prozent Eigenverbrauch rechnen, was dir bereits eine Ersparnis von 135 Euro bringt. Damit wäre das Balkonkraftwerk bereits nach drei Jahren amortisiert.
Grundlast und Stromspeicher
Um den Eigenverbrauch noch zu erhöhen, kannst du dir einen Stromspeicher für dein Balkonkraftwerk anschaffen. Mittlerweile gibt es mehrere Modelle, die verschiedene Energiemanagement-System nutzen. Die große Herausforderung ist nämlich, dass die Speicher ja immer nur dann Strom abgeben sollen, wenn er auch gerade benötigt wird. Dazu gibt es unterschiedliche Messsysteme wie Smart Plugs oder Smart Meter, die teils aufwendig einzubauen sind. Doch was wirklich alle Speicher können, ist eine Einspeisung der Grundlast.
Hierbei musst du nichts anderen tun, als deine Grundlast in der jeweiligen Hersteller App anzugeben. Dann sorgt der Energiemanager dafür, dass kontinuierlich Strom in Höhe der Grundlast abgegeben wird – also zum Beispiel stets 200 Watt zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens.
Der Vorteil: Dein Balkonkraftwerk deckt dank Speicher damit auch die Grundlast in der Nacht. Das klappt zwar nicht das ganze Jahr über, da an Wintertagen der Speicher selten voll wird und es mehr dunkle als helle Stunden gibt. Aber im Sommer kannst du in der Regel 24 Stunden am Tag die Grundlast decken. Der Eigenverbrauch lässt sich dadurch auf etwa 70 bis 80 Prozent erhöhen.
Wichtig hierbei: Achte auf die richtige Speichergröße. Mehr ist nicht gleich besser, da die Akkus mit Abstand die teuerste Komponente sind. Wenn sie dann nicht ausgelastet werden, dann verpulverst du Geld. Als Faustregel gilt: Starte pro Solarmodul mit einer Kilowattstunde. Wenn du nach einem Jahr feststellst, dass es doch zu wenig sind, kannst du immer noch aufstocken. Die meisten modernen Speichersysteme lassen sich nämlich modular erweitern.
Fazit: Balkonkraftwerke decken die Grundlast nicht ganz – und lohnen sich dennoch
Wir fassen zusammen: Auch wenn Balkonkraftwerke dich nicht vollkommen autark machen, sind sie eine clevere Investition, um deine Stromkosten zu senken. Wie wir gesehen haben, ist es ein Trugschluss, dass sie die gesamte Grundlast deines Haushalts decken können – vor allem nachts und im Winter stößt die Stromproduktion an ihre Grenzen. Im Durchschnitt deckt eine Stecker-Solaranlage ohne Speicher etwa 30 Prozent der jährlichen Grundlast ab.
Trotzdem rechnet sich die Anschaffung: Jede selbst produzierte Kilowattstunde Solarstrom spart bares Geld. Schon allein durch die Teildeckung der Grundlast machst du ein deutliches Plus. Und in der Praxis ist die Amortisationszeit sogar noch kürzer, da du tagsüber weiteren Solarstrom für andere Geräte nutzen kannst.
Möchtest du den Eigenverbrauch deines Balkonkraftwerks maximieren und auch nachts von deinem Solarstrom profitieren, sind Stromspeicher eine sinnvolle Ergänzung. Sie ermöglichen es dir, deine Grundlast (fast) rund um die Uhr zu decken, besonders im Sommer. Achte dabei auf die passende Speichergröße!
Kurzum: Balkonkraftwerke sind keine Wundermittel für die komplette Unabhängigkeit, aber ein effektiver Weg, um deine Stromrechnung zu entlasten und einen aktiven Beitrag zur Energiewende zu leisten.






