Mit einem Balkonkraftwerk erzeugt man seine eigene Energie, doch bei einem Blackout versiegt auch dessen PV-Strom-Produktion. Wie erklären dir, woran das liegt und wie du es technisch hinbekommst, dass es doch klappt. Welche Speicher sind dafür nötig, welche Modelle helfen wirklich bei einem Blackout?
Inhaltsverzeichnis öffnen
Stromausfall: Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Auch wenn es sich angesichts der aktuellen Nachrichtenlage anders anfühlt – Stromausfälle gehören in Deutschland zur absoluten Seltenheit! Wie die Bundesnetzagentur vermeldet, war zum Beispiel 2023 die Versorgung im Durchschnitt gerade mal 12,8 Minuten lang unterbrochen. Die Ausfälle waren immer lokal begrenzt und in der Geschichte der Bundesrepublik gab es noch nie einen landesweiten Blackout – also keinen großflächigen, überregionalen, tagelangen Zusammenbruch der Stromversorgung.
Die Wahrscheinlichkeit eines größeren und längeren Ausfalls ist auch jetzt immer noch extrem gering. Nichtsdestotrotz kann es zu regionalen Versorgungsproblemen kommen etwa durch eine Hochwasserkatastrophe. Auch der jüngste Stromausfall in Berlin, der Krieg in der Ukraine oder der Blackout auf der iberischen Halbinsel im April 2025 motivieren Menschen, über eine Notstromlösung für ihr Zuhause nachzudenken.
Ein Gedanke, der dabei immer aufploppt: Balkonkraftwerke. Die Mini-PV-Anlagen liefern zwar keine riesigen Mengen an Strom, können aber einen Haushalt tagsüber mit ausreichend Energie versorgen, um Kühlschrank & Co. zu betreiben. Wenn es dabei nicht eine Einschränkung gäbe…

Balkonkraftwerke funktionieren nicht bei einem Stromausfall
Auch wenn Balkonkraftwerke leicht zu installieren sind und automatisch Strom ins Hausnetz leiten, stellen sie ihre Arbeit bei einem Stromausfall sofort ein. Denn der Wechselrichter benötigt eine stabile Frequenz von 50 Hertz, die er nicht selbst erzeugen kann. Er muss sich stattdessen mit dem Stromnetz synchronisieren. Fällt das aus, schaltet auch der Wechselrichter ab.
Das ist Teil des Netz- und Anlagenschutzes (NA-Schutz), der gesetzlich vorgeschrieben ist und sich nicht umgehen lässt. In dem Fall sorgt der dann dafür, dass kein Strom im Netz ist, wenn Elektriker es reparieren müssen. Wer aber dennoch seine kleine Solaranlage bei einem Stromausfall nutzen möchte, für den gibt es doch mit Sicherheit eine Lösung…
So machst du Balkonkraftwerke notstromfähig
Auch wenn der Wechselrichter eines Balkonkraftwerks bei einem Stromausfall nicht mehr funktioniert, kann man in der Zeit auf Speicher zurückgreifen. Dabei unterscheidet man zwei Arten: Powerstations und notstromfähige Balkonkraftwerk-Speicher.
Powerstation
Powerstations werden oft auch als Solargeneratoren bezeichnet. Denn wie einen Diesel-Generator kannst du sie frei bewegen und dorthin bringen, wo du gerade Strom benötigst. Doch statt Treibstoff zu verbrennen, handelt es sich hier um einen tragbaren Akku, der von u.a. Solarmodulen aufgeladen wird. Üblicherweise nutzt man Powerstations fürs Camping, sie können aber auch bei Stromausfällen nützlich sein. Denn anders als andere Lösungen besitzen sie mehrere Anschlüsse von Schuko bis USB-C und können eine Vielzahl von Geräten parallel laden.
Wichtig dabei: Ein Speicher sollte bereits geladen sein, wenn es zu einem Stromausfall kommt. Daher müsstest du ihn regelmäßig überprüfen und notfalls wieder mit Energie befüllen. Gleichzeitig solltest du ihn nicht dauerhaft an der Steckdose lassen, da das dem Akku schadet und unnötig Strom verbraucht.

Der Nachteil an Powerstations: Wenn man sie nicht nutzt, dann stellen sie eine ziemliche Geldverschwendung dar. Denn diese Akkus kosten immer noch viel und die Wahrscheinlichkeit, dass sie wegen einem Stromausfall wirklich mal zum Einsatz kommen, ist ehrlich gesagt sehr gering. Die Powerstation Explorer 2000v von Jackery mit 2 Kilowattstunden kostet beispielsweise 1.100 Euro. Gut wäre es daher, wenn man die Powerstation noch für andere Dinge nutzen kann – etwa für Grillpartys im Sommer oder beim Camping.
Pro:
- flexibel einsetzbar
- viele Anschlüsse
Contra:
- teuer, wenn man sie nicht nutzt
- erfordert regelmäßige Checks
Notstromfähige Balkonkraftwerk-Speicher
Balkonkraftwerk-Speicher sind zuallererst normale (Lithium-Eisenphosphat-) Akkus für deine Mini-PV-Anlage. Sobald das Balkonkraftwerk einen Überschuss an Strom produziert, landet der im Akku. Und wenn die Solarproduktion zu gering ist – um Beispiel wenn abends die Sonne untergeht, dann kannst du stattdessen den Strom aus dem Speicher nutzen. Dadurch ist der Speicher kontinuierlich im Betrieb und steht nie ungenutzt herum. Das macht ihn zu einer wirtschaftlich sinnvollen Investition.
Was macht den Speicher notstromfähig? Lediglich eine Schukosteckdose an seinem Gehäuse. Achte also vor dem Kauf darauf. Geräte, die du dort einstöpselst, ziehen ihren Strom direkt aus dem Akku. Als schnelle Notlösung ist das zwar praktisch, aber auch hier gibt es ein Problem: Der Speicher steht meist in der Nähe der Solarmodule und das ist gegebenenfalls weit entfernt von den Geräten, die man versorgen möchte. Und: Sie wiegen meist über 20 kg, haben keine Rollen am Gehäuse oder einen Tragegriff. Während Powerstations relativ transportabel sind, lässt sich nicht jeder Speicher problemlos versetzen. Einige sind aufwendiger verkabelt, andere werden an Wänden verschraubt. Im Zweifel müsstest du ein Verlängerungskabel von der Schukosteckdose im Speicher zu deinem Einsatzort verlegen – das ist vermutlich praktischer, als einen 25-Kilo-Klotz ins Wohnzimmer zu wuchten, um dein Notebook zu laden.

Zudem musst du dich mit dem Fakt auseinandersetzen, dass so ein Speicher nicht bewusst Strom für einen Blackout zurückhält. Gibt es einen Stromausfall, dann kann es sein, dass er gerade voll oder eben leer ist. Zwar laden die Solarmodule ihn auch wieder auf, das kann je nach Wetter und Tageszeit aber dauern.
Pro:
- wirtschaftlich, da immer im Betrieb
- niedrige Kosten pro kWh Speicherkapazität
Contra:
- schlecht transportierbar
- legt keine Stromreserve an
Notstrom speichern: Wie lange kann ich durchhalten?
Ob ein Speicher notstromfähig ist, ist die eine Sache. Aber wie groß sollte er sein, damit ich lange durchhalte? Intuitiv würde man annehmen: Je größer, desto besser. Das bringt aber bei Balkonkraftwerk-Speichern nicht viel. Denn wenn die Solarmodule ihn nicht gefüllt bekommen, zahlt man nur viel Geld für ungenutzte Kapazitäten – und Speicher sind mit Abstand die teuerste Komponente an einem Balkonkraftwerk.
Als Faustformel für Einsteiger gilt: Pro Solarmodul reicht eine Kilowattstunde. Bei einem klassischen Balkonkraftwerk mit zwei Solarmodulen bräuchte man also gerade mal zwei Kilowattstunden.
Allerdings kommt man mit solchen Mengen bei einem Stromausfahll nicht sonderlich weit. Bereits eine Kühl-Gefrier-Kombi kann diese Menge an einem Tag verbrauchen. Wer dann abends noch eine Camping-Herdplatte zum Kochen anschmeißt (der normale Herd funktioniert ja bei einem Stromausfall nicht), der hat den Speicher damit schon geleert.
Speicher sind daher nur eine Überbrückungsmöglichkeit für kurze Zeiten. Wer sparsam mit seinem Strom umgeht, schafft vielleicht auch ein paar Tage, denn schließlich lädt der Speicher sich bei Sonnenschein auch wieder auf. Dennoch sollte man in der Zeit nur die nötigsten Geräte versorgen. Zudem gibt es ein paar Alternativen, wie man seinen Energiebedarf zusätzlich decken kann.
Alternativen zu Notstrom-Balkonkraftwerken
Mit einem Notstrom-Speicher allein kommt man also nicht sehr weit. Allerdings muss er auch nicht den gesamten Hausstand versorgen, da man nicht jedes Gerät mit dem Balkonkraftwerk betreiben muss. Für einige Verbraucher gibt es nämlich Alternativen, die bei einem Stromausfall nicht auf den Solarstrom zurückgreifen müssen.
- Licht: Es gibt Steh- und Tischlampen, die man zwar an eine Steckdose anschließt, die aber zusätzlich noch einen Akku besitzen. Bei einem Stromausfall wäre der Akku bereits voll und einsatzbereit.
- Kochen: Statt elektrisch zu kochen und Unmengen an Strom zu verschwenden, kannst du dir auch einen Campingkocher anschaffen. Die gibt es in allen möglichen Größen und sie nehmen im Schrank nicht viel Platz weg.
- Smartphone: Um Smartphones zu laden, kann man natürlich auch Powerbanks nutzen. Es gibt sogar Modelle mit Solarzellen, sich tagsüber selbst aufladen.
Balkonkraftwerke mit Notstromfunktion
Mittlerweile gibt es viele Stromspeicher für Balkonkraftwerke und es kommen auch immer mehr dazu – unsere XXL-Marktübersicht mit fast 60 verschiedenen Speichern liefert dir den besten Überblick. Zudem haben wir dort bei jedem Gerät aufgelistet, ob es notstromfähig ist oder nicht. Ein paar besonders interessante Modelle mit Notstromfunktion schauen wir uns im Folgenden genauer an:
Maxxicharge
Maxxisun gehört zu den innovativsten deutschen Unternehmen in der Solarbranche. Unter anderem waren die Leipziger mit die ersten, deren Speicher eine Nulleinspeisung beherrschte. Nun gehen sie mit der aktuellen Version ihres Stromspeichers Maxxicharge noch einen Schritt weiter und bieten eine richtige Ersatzstromlösung für Balkonkraftwerke an. Anders als bei der Konkurrenz bietet der Maxxicharge nicht nur eine Steckdose am Gehäuse an, er versorgt auch das Hausnetz weiter mit Strom. Damit können Verbraucher wie der Kühlschrank und das Deckenlicht ganz normal weiterlaufen, sofern sie an der selben Phase hängen.
Damit das gelingt, benötigen Interessierte neben dem Speicher auch die Maxxicharge CCU V2 2300W – die aktuellste Steuerungseinheit. Durch einen speziellen Anschluss auf der Rückseite kann die CCU V2 fest in die Hauselektrik integriert werden und ermöglicht in Kombination mit einem Netztrennschalter die unterbrechungsfreie einphasige Ersatzstromversorgung. Wem das zu technisch ist, der kann aber auch auf eine klassische Notstrom-Steckdose am Gehäuse zurückgreifen.

Auch besonders: Die Akkus gibt es mit drei und fünf Kilowattstunden, es können aber mehrere miteinander verschaltet werden. Dadurch kann die Kapazität auf bis zu 80 kWh ansteigen. Da bis zu sechs Solarmodule direkt an einen Speicher kommen, kann man – theoretisch – eine Anlage mit bis zu 96 Solarmodulen zusammenstecken. Dennoch schließt man den Maxxicharge wie ein Balkonkraftwerk über die Steckdose an. In puncto Datenschutz ist Maxxisun übrigens auch besser aufgestellt als viele Konkurrenten, deine Daten bleiben auf Servern in Deutschland.
EcoFlow Stream Ultra/Pro
EcoFlow versucht, mit seinen neuen Stream-Modellen nicht nur die 800-Watt-Grenze zu umschiffen, sie haben dadurch auch gleich eine interessante Notstrom-Lösung geschaffen. Bei dem Stream-System handelt es sich um mehrere Solarspeicher, die frei an jeder Schukosteckdose im Haus angeschlossen werden können. Sobald die Solarmodule Strom produzieren, verteilt ihn das System über die Hausleitungen auf alle Speicher im Haus. Da jeder Speicher über eine eigene Steckdose mit einer Ausgangsleistung von 2.000 Watt am Gehäuse verfügt, kann man an ihn besonders energiehungrige Geräte wie die Kaffeemaschine, den Wasserkocher oder die Waschmaschine anschließen.
Und jetzt kommt der Trick: Da ein Balkonkraftwerk nur mit maximal 800 Watt einspeisen darf, eine Kaffeemaschine aber über 1.000 Watt benötigt, würde man ihren Verbrauch nur teilweise decken können. Da sie aber den Strom direkt aus dem Speicher und nicht aus der Leitung bezieht, können angeschlossene Geräte auch mehr Leistung abrufen.

Dieses System springt dann auch bei einem Stromausfall ein. Zwar können die Speicher dann nicht mehr über die Steckdose geladen werden, die angeschlossenen Geräte laufen aber erst einmal weiter. Aber Achtung: Den Speicher gibt es in etlichen unterschiedlichen Ausführungen, zum Beispiel hat der Ultra mehr Leistung als der Pro – vor dem Kauf ist also noch etwas Produktrecherche notwendig.
Anker Solarbank 3 E2700 Pro
Anker war zwar nicht der erste Anbieter für Balkonkraftwerk-Speicher, mit den Solarbank-Speichern hat das Unternehmen aber die Akkus erstmalig wirtschaftlich gemacht. Mittlerweile gibt es die 3. Generation der Solarbank, die mit 2,7 kWh eine vernünftige Größe für klassische Balkonkraftwerke hat. Wer mehr Speicher benötigt, der kann zusätzliche Blöcke kaufen und insgesamt auf 16 kWh kommen. Das ist mehr Kapazität als die Speicher von vielen Dach-Solaranlagen. Mithilfe eines Smart Meters kann das System auch den Strombedarf im Haushalt tracken und entsprechend die Einspeisung regulieren.

Als Notstromlösung setzt auch die Solarbank 3 E2700 Pro auf eine Schukosteckdose an ihrer Seite, die Geräte mit bis zu 1.800 Watt mit Energie versorgt – und dank knapp 3 kWh Speicherkapazität sollte der Stromvorrat ein Weilchen halten.






