Wer ein Balkonkraftwerk betreiben möchte, der braucht dafür nur eine gängige Schuko-Steckdose. Doch gerade auf dem Balkon hat die nicht jeder. Es gibt für dieses Problem aber eine simple Lösung – PV Insider verrät dir, wie es geht.
Inhaltsverzeichnis öffnen
Alles so einfach wie in der Werbung?
Auf den Werbebildern von Herstellern sieht der Anschluss eines Balkonkraftwerks immer so einfach aus. Das Solarmodul hängt am Geländer, der Wechselrichter ist an der Wand verschraubt und das Stromkabel führt wunderbar gradlinig in eine Außensteckdose. Die Realität sieht aber mitunter anders aus. In vielen Altbauten fehlen Steckdosen im Freien und auch Eigenheimbesitzer haben nicht zwangsläufig eine Dose genau dort, wo die Mini-PV-Anlage stehen soll – schließlich hatte der Vorbesitzer des Hauses das ganz sicher nicht im Kopf. Auch behelfsmäßige Lösungen, bei der das Kabel durch ein gekipptes Fenster in die Wohnung führt, werden spätestens im Winter zum Problem.
Wenn du ebenfalls den Luxus einer Außensteckdose nicht hast, dann wäre eine Möglichkeit, einen Elektriker mit dem Legen einer Leitung zu beauftragen. Das ist an sich kein Problem, kostet aber einiges. Die Handwerker-Vermittlung MyHammer schätzt, dass der Einbau zwischen 200 und 400 Euro kostet. Da ein Balkonkraftwerk mit zwei Modulen ebenfalls circa 400 Euro kostet, würden sich die Kosten also im schlechtesten Fall verdoppeln. Dadurch verlängert sich die Amortisationszeit um Jahre. Zudem musst du es – im Falle einer Mietwohnung – mit deinem Vermieter abklären, da man in die Bausubstanz eingreift.

Flachkabel für Solarmodule: Die Vorteile
Glücklicherweise gibt es eine erheblich günstigere Alternative: Flachkabel. Wie der Name andeutet, handelt es sich dabei um sehr flache Kabel für Solarmodule. Sie funktionieren wie jedes andere Solarkabel und nutzen an beiden Enden den standardisierten MC4-Anschluss. Damit kann man sie an 99 Prozent aller Solarmodule anstecken. Anders als normale Solarkabel, misst ihre Höhe nicht mehr als 1 mm, sie weisen aber den gleichen Querschnitt auf (zumeist 4 mm² und 6 mm²). Somit passen sie zwischen einem Fenster (bzw. einer Tür) und dem Rahmen. Das eine Ende liegt dann in der Wohnung, an dem auch der Wechselrichter montiert wird, dessen Stromkabel wiederum zu einer beliebigen Steckdose führt. An das Ende außerhalb der Wohnung kommen dann direkt die Solarmodule.
Da man ja mindestens die Balkontür hat, kann diese Lösung wirklich jeder nutzen, der ein Balkonkraftwerk will. Zudem greift man dadurch eben nicht in die Bausubstanz ein und benötigt auch keine Erlaubnis des Vermieters.

Doch der größte Vorteil: Es kostet wenig. Ein Flachkabel bekommst du bereits für 10 Euro. Da sie aber nur 30 bis 100 cm lang sind (sie dienen in erster Linie als Adapter und nicht als Verlängerungskabel), passen sie wirklich nur durch das Fenster. Der Weg zu den Solarmodulen am Balkongeländer oder auch im Garten musst du mit einem normalen Solarkabel überbrücken. Das liegt bei einem Balkonkraftwerk auch immer mit bei.
Allerdings benötigt man noch ein zweites, um in der Wohnung das Flachkabel mit dem Wechselrichter zu verbinden. Das müsstest du dann extra kaufen. Die Kosten fallen aber ebenfalls überschaubar aus, es fallen dann meist nochmal 10 Euro an. Für insgesamt 20 Euro extra kannst du also ein Balkonkraftwerk anschließen, auch wenn du keine Außensteckdose besitzt, ohne dabei bohren oder Leitungen verlegen lassen zu müssen.

Der Nachteil von Flachkabeln
Flachkabel bieten also eine simple und günstige Möglichkeit, dein Balkonkraftwerk an eine Steckdose im Haus anzuschließen. Doch auch diese Technik hat ihre Grenzen.
Die Kabel können nämlich schnell verschleißen. Denn wenn du das Fenster bzw. die Balkontür häufig öffnest und schließt, belastet es die Isolation des Kabels (und auch die Gummidichtung des Fensterrahmens). Im schlimmsten Fall liegen irgendwann die Leiter frei und stellen eine Verletzungsgefahr dar. Aber auch ein Kabelbruch kann eintreten.
Wenn möglich solltest du daher doppelflügige Fenster für das Flachkabel nutzen, bei der du nur eine Seite zum Lüften öffnen musst. Auch Fenster, die du in der Regel nur kippst, bieten sich an. Dann kannst du das Kabel unten verlegen, wo am wenigsten mechanische Belastung entsteht.

Welches Flachkabel ist das richtige?
Wenn das Flachkabel zu dünn, zu lang oder von schlechter Qualität ist, kann das zu Spannungsabfall und damit Wirkungsgradverlusten führen.
Die Länge stellt hier in der Regel aber kein Problem dar, da sie nur 30 bis 100 cm betragen. Viel wichtiger ist hingegen die Gesamtlänge von den Solarmodulen bis zum Wechselrichter. Da er in der Regel nicht weit entfernt steht, ist die Länge auch hier vernachlässigbar und du musst mit keinen relevanten Leistungseinbußen rechnen.
Wichtiger ist es, dass du auf den Querschnitt des Kabels achtest. Normale Solarkabel haben bei Balkonkraftwerke fast immer einen von 4 mm² oder 6 mm². Genauso groß sollte auch der Querschnitt bei einem Flachkabel sein. Unterschiedliche Größen wären zwar kompatibel, können aber zu Leistungseinbußen führen.





