Das Balkonkraftwerk liegt im Trend: Es unterstützt die Energiewende und schont den Geldbeutel. Zumindest dann, wenn du keine groben Anfängerfehler machst. Wir klären dich über typische Ärgernisse auf – und zeigen, wie man sie umgeht!
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In den letzten zwei, drei Jahren haben Balkonkraftwerke enorm an Bedeutung gewonnen. Politische Maßnahmen – namentlich das Solarpaket vom Mai 2024 – erleichtern die Inbetriebnahme der Mini-Anlage für den Balkon noch einmal deutlich. Bevor du dir so eine kleine PV-Anlage anschaffst, solltest du die typischen Fehler kennen, welche die Freude an einem Balkonkraftwerk trüben können – dabei spielt nämlich nicht nur die Wahl des Standorts eine Rolle. Gut geplant wird aber der Kauf zu einer nachhaltigen Möglichkeit, kostenlosen Strom zu generieren. Wir verraten dir, welche Fehler bei Balkonkraftwerken du vermeiden solltest!
Vorab ein paar Infos zu Balkonkraftwerken auf einen Blick
- Ein Balkonkraftwerk ist einfach eine kleine Photovoltaik-Anlage und funktioniert technisch identisch. Der Stromertrag ist zwar geringer, dafür muss man auch weniger Dinge einhalten – und natürlich ist so ein Balkonkraftwerk dramatisch günstiger.
- Auch wenn du dich nicht mehr beim Netzbetreiber, also z. B. bei deinen lokalen Stadtwerken, anmelden musst, ist die Eintragung im Marktstammdatenregister Pflicht. Das gelingt online und geht ganz einfach.
- Verschattung minimiert den Ertrag von Balkonkraftwerken deutlich, plane die Position der Anlage auf dem Balkon, dem Flachdach oder der Terrasse daher sorgfältig.
- Typische Anfängerfehler verringern den Ertrag deines Kraftwerks und führen dazu, dass sich die Dauer bis zur Amortisierung erheblich verzögern kann.
1. Du glaubst den Versprechen unseriöser Anbieter
Es gibt Verkäufer von Balkonkraftwerken, die dir das Blaue vom Himmel versprechen – zum Bespiel unrealistische Erträge und in der Folge zu große Strom-Einsparungen. Zudem zielen Rabatte und Niedrigpreise zeitgleich darauf ab, dein Kaufinteresse zu wecken. Ein typischer Anfängerfehler ist daher der gute alte Fehlkauf.
Bei der Anschaffung sollte der Preis nicht die Hauptrolle spielen, sondern die Qualität. Im besten Fall begleitet dich dein neues Balkonkraftwerk mehr als 20 Jahre, ein seriöser Anbieter ist somit Pflicht. Nutze die folgenden fünf Kaufkriterien, um derlei Fehler zu vermeiden:
- Installationsfreundlichkeit: Das Balkonkraftwerk sollte laienfreundlich zu installieren sein, eine vernünftige Anleitung in deutscher Sprache ist also Pflicht. Im Optimalfall findest du sie vor dem Kauf bereits online und erhältst im Lieferumfang ein gedrucktes Exemplar. Stelle vorab auch sicher, dass die Module an den Ort passen, wo du sie platzieren willst – im Shop deines Vertrauens findest du im Datenblatt die genauen Abmessungen. Auch die Ertragsüberwachung per App sollte einfach vonstatten gehen – informiere dich vorher, ob es für den Wechselrichter deiner Wahl eine passende App gibt.
- Moderne Module: Bifaziale Solarmodule sind spätestens sein 2025 der Standard. Der zusätzliche Ertrag, der über die Rückseite gewonnen wird, hält sich vielleicht in Grenzen – dennoch muss man sich heutzutage eigentlich nicht mehr mit einseitigen Modulen begnügen. Die Preisersparnis ist dafür auch zu gering.
- Erweiterbarkeit: Ein flexibles und erweiterbares Balkonkraftwerk macht es dir möglich, deine Anlage später zu erweitern. Modular aufgebaute Systeme passen sich an deine Bedürfnisse an, beispielsweise wenn du umziehst und mehr Platz für Solarmodule oder im Nachhinein Bedarf für einen Speicher hast.
- Schutz vor Witterung und Überspannung: Da du dein Balkonkraftwerk draußen installierst, muss es gegen Witterungseinflüsse wie Schnee, Regen und Wind geschützt sein. Außerdem ist ein Überspannungsschutz notwendig, um Spannungsspitzen im Stromnetz zu vermeiden – alle Wechselrichter müssen einen NA-Schutz verbaut haben. Achte auch auf Wasserdichtigkeit beim Wechselrichter. Bei den Kabeln ist es wichtig, dass sie berührungssicher und mit MC4-Steckern ausgestattet sind. Optimalerweise nutzt du Kabel und Stecker sowie alle sonstigen Komponenten vom gleichen Hersteller.
- Zertifizierung: Achte darauf, dass Solarmodule und Wechselrichter mit IEC 61215, IEC 61730 und VDE-AR-N4105 versehen sind. Damit ist sichergestellt, dass die Module den europäischen Sicherheitsstandards entsprechen. Die Zertifizierung soll garantieren, dass deine Anlage sauber arbeitet und gleichzeitig keinen Schaden an den Bewohnern oder am Gebäude verursacht.
Profi-Tipp: No-Name-Wechselrichter gibt es bisweilen unter 80 Euro, ebenso wie Komplettsets für unter 200 Euro. Davon würde dir jeder Experte abraten. Durch den Wechselrichter fließt permanent Strom. Ein betriebssicheres Produkt inkludiert Schutzmechanismen. Du würdest schließlich auch keine Mikrowelle an den Stecker stecken, die dich und deinen Haushalt gefährdet – beim Wechselrichter ist Sorgfalt bei der Auswahl genauso wichtig.
2. Fehlendes rechtliches Grundwissen
Mit dem Solarpaket 1 haben sich die Bedingungen für den Betrieb eines Balkonkraftwerks deutlich verbessert. Du darfst nun bis zu 800 Watt Leistung für den Wechselrichter und 2.000 Watt Peak Modulleistung installieren. Damit dein Balkonkraftwerk noch als solches durchgeht wird, gelten diese Richtlinien.
Glücklicherweise wurde die Anmeldung erleichtert, eine Registrierung beim Netzanbieter ist nicht mehr nötig. Dennoch bist du verpflichtet, dein Balkonkraftwerk bei der Bundesnetzagentur (im Marktstammdatenregister) anzumelden.
Eine fehlende Anmeldung im Marktstammdatenregister ist eine Ordnungswidrigkeit und wird entsprechend geahndet. Vergisst du die Anmeldung, drohen dir – zumindest theoretisch – nach § 95 des Energiewirtschaftsgesetzes bis zu 50.000 Euro Bußgeld.
3. Den Standort und die Sonneneinstrahlung nicht beachten
Du hast dich mit Herstellern beschäftigt, mit marktüblichen Preisen und mit Zertifizierungen, dabei aber den Standort nicht optimal berücksichtigt? Ein typischer Fehler, der bei Solaranlagen für den Balkon immer wieder auftritt. Wenn Teile deiner Solarmodule im Schatten liegen, sinkt der Ertrag erheblich. Selbst kleinere Schatten durch die Halterung selbst, durch Geländer oder den Nachbarbalkon haben Einfluss. Daher bitte:
● Ausrichtung optimieren: Der beste Standort für dein Balkonkraftwerk ist nach Süden oder Südwesten ausgerichtet. Dort scheint die Sonne am stärksten. Prüfe vor dem Kauf, ob dein Balkon, eine Hauswand, das Dach oder die Terrasse die bestmögliche Ausrichtung ermöglicht und plane die Montage am Geländer oder der Wand entsprechend.
● Neigungswinkel beachten: Eine Neigung der Solarpanels (zwischen 30 und 35 Grad) sorgt dafür, dass Regen und Schmutz gut abfließen können. Gleichzeitig empfangen die Module mehr Sonnenlicht, da der Winkel zur Sonne optimal ist. Im Winter kann es von Vorteil sein, nachzujustieren, insbesondere wenn du die Module sonst eher flach montierst. Da die Sonne in dieser Jahreszeit tiefer steht, sinkt der Ertrag bei sehr flach aufgestellten Modulen.
● Verschattungen bedenken: Wenn dein Balkon durch Bäume, Nachbarhäuser oder Stromleitungen teilweise verschattet wird, muss das die Rentabilität noch nicht zunichte machen. Achte aber im Vorfeld darauf, wo auf gewünschten Aufstellort, die meiste Sonne hinkommt.
4. Die Montage des Balkonkraftwerks unterschätzen
Steckerfertige Solaranlagen sollen sich laut Anbieter kinderleicht in Eigenregie montieren lassen. Bei den meisten Händlern hast du die Möglichkeit, direkt die passende Halterung für die Montage und Installation mitzukaufen. Das heißt aber nicht zwingend, dass die gelieferte Halterung auch zu deinem Balkon passt.
Brüstungsmaterial, Handlauf, Gestänge und viele Faktoren spielen hier eine Rolle. Klassische Glas-Folien- oder Glas-Glas-Solarmodule wiegen zwischen 20 und 25 Kilogramm pro Stück. Hier sind Lasten durch Schnee und Wind noch nicht mit einberechnet. Bist du dir bei der Stabilität des Balkongeländers nicht sicher, greife auf Leichtbaumodule zurück. Sie werden mit Klettbändern oder Kabelbindern befestigt und sind deutlich leichter zu montieren.
In jedem Fall raten wir dir dazu – falls du Mieter bist –, deinen Vermieter zu informieren. Als Eigentümer lohnt es sich, im Zweifelsfall einen Statiker zurate zu ziehen. Fehlt dir das handwerkliche Geschick für die Selbstmontage, rufe einen Fachmann zur Hilfe. Das kostet zwar nochmal Geld, sichert aber dich und die Umgebung ab. Ein herabstürzendes Solarmodul ist der Worst Case für deinen Geldbeutel, aber auch für Personen, die davon getroffen werden könnten.
Expertenmeinung: Die Art der Montage spielt eine Rolle beim Thema Sicherheit. Vertikal an der Hauswand oder dem Balkon befestigte Module liefern etwas weniger Energie. In Regionen mit hohem Windaufkommen sind sie aber besser geschützt. Hier gilt es abzuwägen und eine Montagelösung zu wählen, die maximale Sicherheit gewährleistet.
5. Zu teurer Speicher für das Balkonkraftwerk
Der Händler möchte in erster Linie Geld an dir verdienen. Das ist einer der Gründe, warum sogenanntes „Overpaneling“ betrieben wird – das heißt, dass die Solarleistung höher ist als das, was der Wechselrichter an Watt durchlässt. Dir muss bewusst sein, dass dein Mikrowechselrichter fürs Balkonkraftwerk in Deutschland maximal 800 Watt ins Hausnetz einspeist, egal wie viel Sonne die Panels einfangen können. Alles, was du an überschüssigem Solarstrom produzierst, bringt dir nichts – es kommt nicht mal im Hausnetz an. Trotzdem kann es durchaus sinnvoll sein, 1000 oder sogar 2000 Watt Peak Solarleistung zu installieren, vor allem weil die Modulpreise mittlerweile so niedrig sind.
So mancher Online-Shop wird dir zudem raten, einen Batteriespeicher zu deinem Balkonkraftwerk zu kaufen. Dort fließt der nicht genutzte Strom rein und du kannst ihn später nutzen. Die Rentabilität ist aber nicht automatisch gegeben. Hast du nur zwei Solarmodule mit 880 bis 1000 Wp Leistung, dann brauchst du bestimmt keinen Solarspeicher mit zwei Zusatz-Akkus und insgesamt 6 kWh Speicherkapazität – weil du selbst bei maximaler Leistung nur einen gewissen Anteil des Solarstroms ungenutzt verstreichen lässt.
Bedenke, dass es Dauernutzer in deinem Haushalt gibt. Kühlschrank, Gefriertruhe, Stand-By-Geräte – sie alle nutzen den Strom deines Balkonkraftwerks. Eine große Überproduktion ist bei kleinen Balkonkraftwerken unwahrscheinlich. Hast du drei oder vier Solarmodule, dann sieht die Sache schon wieder anders aus – angesichts der stetig sinkenden Preise kann sich ein Speicher mit 2 bis 4 Kilowattstunden dann durchaus lohnen.


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Fazit: Die richtige Planung verhindert Anfängerfehler beim Balkonkraftwerk!
Gibst du bei Google die Phrase „das beste Balkonkraftwerk“ ein, wirst du auf unzählige Anbieter, Verkäufer und Händler stoßen, die dir ihre Lösung verkaufen möchten. Mit etwas Glück wählst du ein gutes Modell und bist damit glücklich. Besser ist aber, wenn du dich vorher über die Grundlagen von Balkonkraftwerken informierst. Es ist wichtig, dass du die Funktionsweise verstehst und weißt, welche Möglichkeiten dein Balkon bietet. Zudem gibt es, zum Beispiel hier bei PV Insider, Vergleichstests mit vielen Hintergrund-Infos und unabhängigen Testberichten.
Bist du dir noch unsicher, dann geh zu unserer Ratgeber-Übersicht: Nichts ist ärgerlicher als ein Fehlkauf oder ein Balkonkraftwerk, das für deine spezifischen Gegebenheiten völlig ungeeignet ist. Je mehr Wissen und Tipps du dir im Vorfeld holst, desto wahrscheinlicher ist es, dass du mit deinem neuen Balkonkraftwerk einen Volltreffer landest.







